Thurn und Taxis

thurn.jpg 37 KB Thurn & Taxis, das erinnert wohl jeden als Erstes an das bekannte Fürstentum. Also mal wieder ein Mehrheitenspiel um Einfluss in Fürstentümern? Das Spiel wäre wahrscheinlich ein wenig in der Masse untergegangen, stände nicht auf der Schachtel der Name Seyfarth (Autor eines der besten Strategiespiele: Puerto Rico, Deutscher Spielepreis 2002). Der erste Gedanke war der Richtige, es geht um das Fürstentum Thurn & Taxis, aber nicht um Einfluss durch Mehrheiten, sondern vielmehr darum, wie die dortigen Fürsten so einflussreich geworden sind: durch ein erfolgreiches Postkutschen-Unternehmen. Die Spieler übernehmen ein Postkutschen-Unternehmen und versuchen ein möglichst bedeutendes Post-Netz aufzubauen.

Was heißt nun bedeutend? Viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Einflussreich wird ein Postkuschen-Unternehmen, wenn es Filialen in allen großen Städten eines Landes hat, bevor andere dies erreichen, weitaus schwieriger, aber dafür noch viel bedeutsamer ist es aber Zweigstellen in allen Ländern zu haben. Wichtig für den Bekanntheitsgrad ist es aber natürlich auch möglichst große Post-Kutschen im Einsatz zu haben und möglichst lange Lieferstrecken mit einer Route abzudecken.

Thurn und Taxis
Verlag Hans im Glück
Autor Karen Seyfarth
Andreas Seyfarth
Spieler 2 bis 4
Alter ab 10 Jahren
Wertung
Rene Puttin sechs.gif 1 KB
Jessica Dück fuenf.gif 1 KBsechs.gif 1 KB
Wie errichtet man nun seine Zweigstellen? Die Spieler bauen jeweils an einzelnen Strecken. In jedem Zug muss jeder Spieler eine Karte aus einer offen Auslage von sechs Karten auf die Hand nehmen und eine Karten von seiner Hand an seine aktuelle Strecke anlegen um diese um eine Stadt erweitern. Er legt eine Karte mit der entsprechenden Stadt links oder rechts an seine bestehende Strecke an. Dabei muss beachtet werden, dass benachbarte Städte jeweils durch eine Straße verbunden sein müssen und keine Stadt zweimal in einer Strecke auftauchen darf. Die Spieler haben am Ende jedes Zuges die Möglichkeit ihre aktuelle Strecke zu werten. Nun dürfen sie sich aussuchen, ob sie eine Zweigstelle in jeweils einer Stadt in jedem durchquerten Land errichten oder ob sie in allen durchfahrenen Städten eines Landes Außenposten errichten. Haben die Spieler nun Zweigstellen in allen Städten eines Landes oder in jedem Land einen Außenposten, so erhalten sie Siegpunkte. Und je weniger Mitspieler dies bisher erreicht haben, desto mehr Siegpunkte gibt es. Weiterhin erhalten die Spieler Punkte, wenn sie besonders lange Strecken gebaut haben und erhalten dafür auch größere Kutschen, die auch wieder mehr Siegpunkte zählen.

Na das hört sich ja alles so an, als würde man einfach bauen, bauen, bauen und dann für eine riesige Strecke massig Siegpunkte absahnen. Ganz falsch ist das nicht, große Strecken bringen zumeist viele Siegpunke, aber meistens weniger Außenposten als mehrere kurze Strecken. Zudem gibt es noch ein anderes Problem: Kann ein Spieler in einer Runde nicht an seiner Strecke weiterbauen, so muss er den Bau abbrechen und eine neue Strecke bauen, was meistens das betroffene Unternehmen weit hinter die anderen zurückwirft. Damit das Ganze nicht allzu schwierig wird, stehen den Spielern, aber noch (ähnlich zu Puerto Rico) hilfreiche Amtspersonen zur Verfügung, von denen sie in jeder Runde einen zu Hilfe ziehen können. Der Postmeister erlaubt es den Spielern zwei anstatt nur eine Karten aus der Auslage zu nehmen. Der Amtmann hilft demjenigen Spieler, der mit der aktuellen Auslage unzufrieden ist, diese durch sechs neue Karte zu ersetzen. Da freuen sich alle nachfolgenden Spieler, die schon auf Karten aus der Auslage spekuliert haben. Der Postillion beschleunigt den Bau einer Strecke und erlaubt es dem Spieler in einer Runde zwei Karten an seine Strecke anzulegen. Der Wagner hilft dem Spieler zum Erlangen größerer Post-Kuschen. Dazu sind nömlich jeweils immer längere Strecken nötig. Nutzt man den Wagner, so werden zur Länge der aktuellen Strecke zwei zusätzliche Städte dazu gezählt. Nach ca. einer Stunde endet eine Partie Thurn & Taxis dadurch, dass ein Spieler die größt-mögliche Postkutsche baut, oder ein Spieler alle seine 20 Zweigstellen errichtet hat. Nachdem die aktuelle Runde zu Ende gespielt wurde, zählt jeder Spieler seine gesammelten Siegpunkt und subtrahiert davon die Anzahl an Außenposten, die er nicht errichtet hat. Wer dann die meisten Siegpunkte überbehält ist der Sieger.

Thurn & Taxis ist ein wirkliches TOP Spiel. Es ist nicht ganz so komplex wie Puerto Rico, was den Zwischen-Durch-Mal Spieler durchaus freuen wird. Aber auch die Vielspieler müssen keineswegs enttäuscht sein, denn das Spiel bietet trotzdem sehr viele taktische Kniffe und Möglichkeiten die anderen Mitspieler zu ärgern, indem man ihnen zum Beispiel ihre Wunschkarten, auf die sie seit Runden ungeduldig warten, vor der Nase wegschnappt.

RENE PUTTIN


Ausgepackt!
Mister X e.V.