Geht es mit den Kartenspielen bergab? Nachdem letztes Jahr noch zwei Kartenspiele den Sprung in die Auswahlliste geschafft hatten (Ebbe und Flut, Land unter), platzierte sich mit Vom Kap bis Kairo nur ein Kartenspiel für die Auswahlliste. Beim Deutschen Spielepreis platzierte sich sogar im zweiten Jahr in Folge kein einziges Kartenspiel unter den ersten 10. Im Folgenden möchte ich einen Blick auf die interessantesten Neuheiten des Jahrgangs werfen.
Bei den Gnümies handelt es sich um ein einfaches Versteigerungsspiel.
Ziel ist es mölichst viele gleichartige Karten zu ersteigern, denn eine einzelne Karte zählt nur ihren aufgedruckten Wert (1 bis 15).
Ein Zwilling 20, ein Drilling 50, ein Vierling 100 und ein Fünfling sogar 150 Punkte.
Für die Ersteigerung stehen den Mitspielern jeweils identische Kartensätze zur Verfügung.
Eine Karte wird jeweils aufgedeckt und anschliessend versteigert.
Dazu legen die Spieler gleichzeitig und verdeckt jeweils eine ihrer Karten ab.
Die höchste Karte gewinnt die aufgedeckte Karte und muss abgegeben werden.
Die anderen Spieler nehmen ihre Karten wieder auf die Hand.
Das hört sich nicht nach viel an und wird deshalb noch mit einigen Sonderkarten und einer Hintergrundgeschichte der abstrusen Art aufgepeppt.
Man versucht nämlich mit Gnümiekarten, bei Gnümies handelt es sich übrigens um die Bewohner des Planeten Gnüm, welche im ganzen Universum für ihre grossen Parties bekannt sind, Partygästen zu ersteigern.
Allerdings wird durch eine alberne Hintergrundgschichte ein mittelmäßiges Spiel ohne neue Elemente nicht zu einem (Party-)Knaller.
Ziel des Spiels ist es möglichst viele wertvolle Karten in den sechs verschiedenen Farben zu gewinnen.
Dummerweise sind die wertvollsten Karten gleichzeitig auch die schwächsten Karten im Spiel.
Da aber in jedem Stich nur die beiden stärksten Karten gewonnen werden, muß man versuchen möglichst alleine eine Farbe in den Stich zu spielen.
Denn dies ist der nächste Kniff.
Jede Farbe wird in einem Stich separat abgerechnet.
Gut, das kennen wir schon aus Hattrick.
Hier ist neu, dass man nicht nur eine Karte auspielen darf, sondern bis zu drei.
Dazu kommt noch, dass man nur das ausgespielte Kartenverhältnis bedienen muss.
Wenn also drei Karten in zwei Farben angespielt wurden, dann müssen alle folgenden Spieler auch drei Karten in zwei verschiedenen Farben ausspielen oder passen.
Die Karten werden übrigens verdeckt ausgespielt und zeigen auf ihren Rückseiten ihre Spielfarbe an, so dass jeder Spieler zumindest die Anzahl der jeweiligen Kartenfarben der Mitspieler kennt.
Am Spielende zählen nicht nur die gewonnenen Karten, sondern es gibt noch Sonderpunkte für die meisten gewonnenen Karten in jeder Farbe.
Gargon bietet eine grosse Anzahl verschiedener neuer Mechanismen.
Dies ist allerdings auch ein gewisser Nachteil dieser interessanten Neuerscheinung.
Denn gerade in den ersten Partien stehen die Spieler recht ratlos mit ihren Karten da und wissen nicht was sie damit machen sollen.
Gargon ist also eine interessante Herausforderung für Kartenvielspieler.
Hier begrüssen wir einen alten Bekannten wieder.
Ogallala hat mir schon in diversen Augaben Spass bereitet.
Diese Neuauflage ist meines Wissens die erste reine Kartenausgabe, die also ohne festen Ablageplan auskommt.
Denn bei Ogallala handelt es sich um ein lupenreines Ablagespiel.
Der Reihe nach ziehen die Spieler eine Karte vom verdeckten Stapel und versuchen daraus möglicht wertvolle und zugleich kampfstarke Boote zu bauen.
Dazu befinden sich auf den Karten jeweils Bootsteile mit Indianern oder Beutestücken.
Die gezogene Karte muss der Spieler in seiner virtuellen 3 mal 14 Karten grosssen Ablage platzieren.
Wird ein Boot vervollständigt, also vorne eine Bug- hinten eine Heckkarte, dann kann es ein anderes schwächeres, d.h. mit schwächeren Indianern besetztes, Boot versenken.
Für viel Freude sorgt immer wieder ein besonderer Indianer.
Verrückte Axt versenkt nämlich ein eigenes vollständiges Boot.
Diverse weitere Sonderkarten peppeln dieses einfache Legespiel weiter auf.
Es endet mit der Komplettierung des dritten Bootes eines Spielers.
In der abschliesenden wertung zählen nur die vollständigen Boote und dabei besonders die Boote mit möglichst wertvoller Beute.
Ogallala präsentiert sich hier mit neuer moderner Grafik, die nicht ganz zu dem etwas altbackenen Mechanismen passen will.
Trotzdem ein nettes Spiel für Zwischendurch, falls Sie nicht sowieso schon eine ältere Ausgabe zu Hause haben.
Auch bei Pompeji handelt es sich um ein Ablagespiel.
Hier bauen alle Mitspieler zusammen die Stadt Pompeji auf bis sie vom Vesuv zerstört wird.
Die 49 Karten zeigen jeweils eine Strassenkreuzung mit einem von 7 verschieden Gebäuden, einer von 7 Hintergrundfarben und einer Zahl zwischen 1 und (..richtig) 7.
Jeder Spieler hat 3 Karten auf der Hand und muss in seinem Zug eine davon in Pompeji ablegen.
Dabei muss er sich nur an zwei Regeln halten.
Er muss an eine bereits ablegte Karte anbauen und es dürfen nicht gleiche Farben oder Gebäude direkt nebeneinander liegen.
Dabei sollte man aber auch an sein Punktekonto denken, denn für jede abgelegte Karte erhält man sofort Punkte.
In jeder Strasse, also waagerecht, senkrecht und den beiden Diagonalen, erhält man die Summe der aufgedruckten Punkte auf den Karten, die ebenfalls das soeben abgelegte Gebäude zeigen.
Dasselbe gibt es dann nochmals für die Farbe.
Allerdings nicht die Summe der Zahlen, sondern nur das Maximum der betroffenen Karten.
Die siebte Karte einer Strasse wird nochmals mit einem Bonus bedacht.
Zwei Sonderkarten gibt es auch noch.
Die Statue dient als Joker, sowohl für das Gebäude, als auch für die Hintergrundfarbe und die Snderbaugenehmigung ermöglicht einaml in der Partie einen Zug ausserhalb der normalen Spielreihenfolge.
Pompeji ist ein sehr stilles Spiel, welches etwas unter seiner Optik leidet.
Die Hintergrundfarben sind nur sehr schwer zu unterscheiden und erschweren die gegen Spielende recht mühsame Abrechnung jeder Karte zusätzlich.
Das die Karten klassisch, also rechteckig, geschnitten sind, erleichtert das Entdecken von punkteträchtigen Ablagen auf den Diagonalen auch nicht besonders.
Auf der Schachtel wird von einem heißen Kartenspiel gesprochen.
In diesem Sinne ist Pompeji eine Mogelpackung, denn es ist eindeutig ein solides, gutes Kartenspiel für kühle Rechner.
Ziel bei Vom Kap bis Kairo ist es mit seiner (Karten-)Lokomotive als erster Spieler 8 Landschaftkarten zu überfahren.
Die Landschaftkarten zeigen, neben einem der 5 Landschaftstypen, 0 bis 3 Gleise und einen Wert von 1 bis 10, wobei der einfache Grundsatz gilt: Je wertvoller die Karte, desto wenige Gleise sind abgebildet.
Die Spieler starten mit ihrer Lokomotive und einem Kapital von 100 Pfund, denn wir befinden uns ja im kolonialen Afrika.
Das Spiel besteht aus zwei verschiedenen Spielzügen.
Sobald ein Spieler keine Landschaftkarte vor seiner Lokomotive liegen hat, kommt es zu einer Landerwerbsrunde.
In dieser werden so viele Landschaftskarten versteigert, wie Spieler teilnehmen.
Alle Spieler bieten gleichzeitig und geheim um die erste Wahl.
Vom Meistbietendem bis zum Geizigsten wählen dann alle nach der Reihe ein Landschaftkärtchen aus und legen es an das Ende ihrer Strecke.
Die Vor- und Nachteile der Landschaftsteile zeigen sich im anderen Spielzug.
Hat jeder Spieler mindestens noch ein Landschaftskärtchen vor seiner Lokomotive liegen, dann kommt es zu einem Schienenbauzug.
Beginnend mit dem Spieler, der den letzten Zug gewonnen hat, decken die Spieler nacheinander Karten vom Nachziehstapel auf bis einem Spieler der Streckenbau möglich ist.
Dazu muss der Spieler, je nach dem Landschaftkärtchen, welches vor seiner Lokomotive liegt, zwischen 6 und 10 Gleisen auf den aufgedeckten Karten und den Karten vor seiner Lokomotive vorweisen.
Zusätzlich kann er Gleise für je 10 Pfund kaufen.
Kann ein Spieler genug Gleise vorweisen, dann baut er das Streckenstück, zieht seine Lokomotive auf die Karte und erhält den dort aufgedruckten Wert gutgeschrieben.
Da das Geld am Spielende nicht mehr wert ist, sollte man bei den Versteigerungen nicht zu sparsam mit seinem Konto umgehen, damit die eigene Lokomotive nicht vor zu schwierigen Landschaften kapitulieren muss.
Einzig das nervige Notieren der Gebote und Kontostände trübt den Blick auf das eindeutige Highlight des aktuellen Kartenspielejahrganges.
Aber das kann man bei einem Preis von 5 Euro ja durchaus verschmerzen.
| Übersicht | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Spiel | Autor | Verlag | Spieler | Wertung | |
| Die Gnümies | David Parlett | Amigo | 2-5 ab 8 | ![]() ![]() |
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| Gargon | Rüdiger Dorn | Amigo | 3-5 ab 10 | ![]() ![]() |
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| Ogallala | Rudi Hoffmann | Amigo | 2-5 ab 8 | ![]() |
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| Pompeji | Frank Brandt | Adlung | 2-4 ab 12 | ![]() |
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| Vom Kap bis Kairo | Günter Burkhardt | Amigo | 2-4 ab 10 | ![]() |
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DIRK HORSTER