Um eines direkt klar zu stellen. Dies ist kein verspäteter Postleitzahlenumstellungsartikel, sondern ein kurzer Blick auf die Kartenspielneuheiten des Jahrgangs 2000/2001. Aus den zahlreichen veröffentlichen Spielen möchte ich fünf(!) etwas genauer vorstellen.
Das Spielejahr beginnt mit der Vorstellung der ersten Neuheiten im Oktober auf der Spiel in Essen. Besonders fleißig bei der Präsentation seiner Neuheiten war letztes Jahr, der auf Kartenspiele spezialisierte Verlag von Karsten Adlung. Nicht weniger als 9 neue Kartenspiele erblickten in Essen das Licht der Spielewelt. Natürlich fällt eine Auswahl schwer. Drei der Neuheiten, namentlich Kathai, Meuterer und Titus lohnen eine nähere Betrachtung.
Bei Kathai darf gehandelt werden.
Objekt der Begierde sind fünf verschiedene Waren, von denen bis zu 3 auf den 55 Karten abgebildet sind.
Das Ziel der Spieler ist es, diese Waren möglichst teuer auf dem Markt zu verkaufen.
In seinem Spielzug kann der Spieler auf 5 verschiedenen Möglichkeiten wählen.
Die wichtigsten sind: Handel, d.h. Tausch von Karten mit den Mitspielern (in der Form: Suche Gold, biete dafür Seide) und Verkauf, d.h.: Abgabe einer Sammlung identischer Waren gegen Punkte.
Jeder Ware ist immer einer der 5 Tauschkurse zugeordnet.
Diese reichen von unverkäuflich bis zu Anzahl der abgegebenen Karten + 4.
Nach einem Verkauf fällt der Wert der betroffenen Ware sofort auf unverkäuflich und die anderen Waren rücken im Wert einen Stufe höher.
Je höher der Wert, desto mehr Waren werden verlangt um überhaupt einen Verkauf tätigen zu dürfen.
Kathai lebt von der Gier der Spieler.
Noch eine Runde warten, damit der Kurs eventuell weiter steigt, oder doch lieber mit einer kleineren Punktzahl zufrieden sein, aber dafür nicht in Gefahr laufen auf seinen Waren sitzen zu bleiben, wenn die Mitspieler einem zuvorkommen.
Insgesamt bietet Kathai eine gut arrangierte Mischung bekannter Mechanismen zu einem unschlagbaren Preis.
Sollte ich Meuterer in einem Wort beschreiben, dann würde es wohl Verräter-Seefahrer-Erweiterung sein.
Damit würde ich Meuterer jedoch unrecht tun, denn es ist ein eigenständiges Spiel.
Es basiert auf dem erstmals in Verräter vorgestellten Mechanismus der Identitätswahl, d.h.: jede Runde schlüpfen die Spieler in Rollen mit unterschiedlichen Möglichkeiten, das Spielgeschehen zu beeinflussen.
In Meuterer gibt es sechs verschiedene Rollen, die man in drei Gruppen einteilen kann.
Kapitän und Maat streiten mit Meuterer und Schiffsjunge um den Kurs des Schiffes auf dem sich alle Spieler befinden.
Ziel des Schiffes sind 12 Ortskarten, auf denen die Spieler Waren verkaufen möchten.
Da an den meisten Orten nur eine Art Ware verkauft wird, kommt es schnell zu einer Meuterei unter den Mitreisenden (= Mitspielern).
Wer sich nicht an diesen Reibereien beteiligen möchte, kann als Händler bessere Preise erzielen oder als Lademeister mehr Warenkarten erwerben.
Die entscheidende Frage für viele ist jedoch; Lohnt sich der Kauf dieses Spiels?
Lassen Sie mich mit Radio Eriwan antworten: Im Prinzip Ja.
Meuterer ist ein anspruchsvolles, taktisches Kartenspiel zu einem, ich wiederhole mich, unschlagbarem Preis.
Aber, wer Verräter schon hat und vielleicht auch noch Ohne Furcht und Adel, der braucht sehr wahrscheinlich kein Meuterer mehr, denn Neues bringt der Meuterer nicht in die Schachtel.
Wenn von neuen Mechanismen die Rede ist, dann ist er Name Uwe Bohnanza Rosenberg nicht weit.
Es ist schon erstaunlich, was diesem Mann so alles einfällt.
Der Gag bei Titus sind die beidseitig bedruckten Münzkarten.
Jede Karte zeigt auf beiden Seiten eine Münze mit Wert zwischen 1 und 19, wobei die Werte maximal um 2 differieren.
Ziel des Spiels ist es Serien von vier aufeinander folgenden Münzen zu sammeln.
Diese kann man gegen Siegpunktkarten tauschen, die um so wertvoller sind, je schneller man diese Aufgabe erfüllen kann.
In seinem Zug hat man die Wahl zwischen 2 Möglichkeiten:
Man nimmt die oberste Karte vom Stapel und baut sie in seine eigene Ablage ein oder schenkt die Karte einem Mitspieler und erhält dafür eine einzeln liegende Karte, die man allerdings auf die Rückseite drehen muß, bevor man sie in seine eigene Ablage einbauen darf.
Als zweite Möglichkeit kann man die oberste Karte einer bereits gewerteten Reihe eines Mitspielers in seine Ablage übernehmen.
Allerdings muß auch hier die Karte auf die Rückseite gedreht werden.
Gelingt es mir eine Karte in meiner Auslage an eine andere Karte anzulegen (d.h.: Wert +-1), dann erhalte ich sofort noch einen Zug.
Auf diese Art und weise darf man bis zu 3 Spielzüge durchführen.
Natürlich ist bei der Geschichte auch Glück dabei, aber ein gutes Gedächtnis kann bei diesem Spiel nicht schaden.
Auf jeden Fall ist Titus sein Geld wert.
Wie der Name schon andeutet, handelt es sich hier um die Kartenspiel-Variante des bekannten Spiel des Jahres von 1989 Café International.
Zur Erinnerung: Damen und Herren verschiedenster Nationalitäten sollten möglichst punkteträchtig in einem Café plaziert werden.
Dabei gab es folgendes zu beachten.
Man darf nur an für die eigene Nationalität reservierten Tischen Platz nehmen.
Zum Glück standen viele Stühle zwischen den Tischen, so daß man doch noch etwas für die Völkerverständigung tun konnte.
Auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter an den Tischen wurde ebenfalls großer Wert gelegt.
All dies gibt es auch in der Kartenspielversion.
Dem Rotstift fiel allerdings die Bar zum Opfer, an der sich die ungeselligen Zeitgenossen versammelten.
Auch die Joker mit der Regenbogenfrisur sucht man im Kartenspiel vergeblich.
Das Café hat jetzt auch eher die Dimensionen eines Bistros angenommen.
Ganze fünf Tische stehen den Gästen zur Verfügung.
Diese stehen auch noch so eng, daß manche Stühle sogar an 3 Tischen stehen.
Sonst nimmt alles seinen gewohnten Verlauf.
Man plaziert die Gäste an den Tischen und kassiert die Punkte.
Ein voller Tisch wird allerdings abgeräumt und durch eine neue Nationalität ersetzt.
Macht es denn auch noch so viel Spaß wie vor 12 Jahren?
Na ja.
So richtig eigentlich nicht.
Dadurch das ein Gast jetzt mitunter an drei Tischen punktet, muß man schon höllisch aufpassen, ob man alle Punkte gezählt und ob auch alle Geschlechter immer recht im Gleichgewicht sind.
So kann es durchaus dazu kommen, daß nach dem Abräumen eines Tisches plötzlich 2 Herren oder Damen allein an einem Tisch verbleiben.
Ich würde deshalb sagen, für Liebhaber des Originals, die auch auf Reisen nicht auf ihr Café verzichten können, ein Muß.
Alle anderen dürfen ruhig verzichten und lieber ins große Cafe International gehen.
über El Moondo habe ich schon kurz in meinem Messerundgang berichtet.
Damals hieß es noch Zoon und suchte nach einem deutschen Vertriebspartner.
Der war mit Amigo schnell gefunden, doch der Name Zoon war schon vergeben.
So wurde El Moondo geboren.
Auf die wilde Geschichte zu El Moondo verzichte ich mal und wende mich direkt dem Spielgeschehen zu.
El Moondo ist im Prinzip ein aufgebohrtes Stratego.
Stratego ist doch ein Begriff?
Genau, eine Art Schach mit Figuren die Stärke erst beim Aufeinandertreffen offenbaren und der Stärkere den Schwächeren schlägt.
Aus den Figuren wurden Karten und das Spielfeld auf 6 mal 6 Felder beschränkt.
Dort stehen sich jeweils 12 Kämpfer gegenüber und versuchen die gegnerische Fahne, Verzeihung das Stammes-Totem zu erobern.
Anders als beim Vorbild Stratego können sich die einzelnen Kämpfer unterschiedlich weit bewegen.
Auch der Kampf bietet eine Innovation.
Treffen zwei Kämpfer zusammen deuten die Spieler auf jeweils eine Ecke der gegnerischen Karte.
Dort sind unterschiedliche Kampfstärken aufgedruckt.
Der höhere gewinnt und schlägt die unterlegene Karte.
Zusätzlich gibt es noch Spezialtrümpfe die nur einmal während einer Partie eingesetzt werden können.
El Moondo wird in verschiedenen Sets in den Handel gebracht.
In jdem Set befinden sich Karten für 4 Spieler.
El Moondo ist aber kein Sammelkartenspiel.
Man braucht also nur ein Set zum Spiel.
Was man allerdings gut gebrauchen könnte, wäre ein Spielplan bzw. Ablageplan für die Karten, denn Karten rutschen bekanntlich auf Tischen recht gut hin und her.
Da kann El Moondo recht fummelig werden, denn die Karten wandern ja hin und her und werden zum Kampf vom Spielfeld genommen.
Insgesamt bietet El Moondo durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten und Sonderaktionen viel Spielspaß für Liebhaber von strategischen 2 Personenspielen.
| Übersicht | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Spiel | Autor | Verlag | Spieler | Wertung | |
| Kathai | Michael Andersch | Adlung | 3-5 ab 10 | ![]() ![]() |
|
| Meuterer | Marcel-Andre Cassasola Merkle |
Adlung | 3-4 ab 12 | ![]() ![]() |
|
| Titus | Uwe Rosenberg | Adlung | 2-4 ab 10 | ![]() ![]() |
|
| Cafe International | Rudi Hoffmann Roland Siegers |
Amigo | 2-5 ab 10 | ![]() ![]() |
|
| El Moondo | Nicolas Pilartz Migou Auteurs |
Amigo | 2-4 ab 10 | ![]() |
|
DIRK HORSTER