Der Herr der Ringe
Der Herr der Ringe, ein etwas anderes Spiel.
So könnte man Rainer Knizias neues Werk nach der Romanvorlage von J.R.R. Tolkien bezeichnen.
Gewinnen können die Spieler bei diesem Spiel nur gemeinsam.
Jeder schlüpft dabei in die Rolle eines Hobbits und versucht zusammen mit seinen Gefährten die gefährlichen Abenteuer zu bestehen, in die sie geraten, und zuletzt den Ring zu zerstören, den immer einer von ihnen trägt.
Gespielt wird auf einem Hauptspielplan und nacheinander auf vier Abenteuerspielplänen.
Auf dem Hauptspielplan ziehen die Hobbitfiguren.
Sie beginnen im Licht und werden während des Spiels zunehmend in die Dunkelheit gezogen.
Von der gegenüberliegenden Seite zieht Sauron, die Macht des Bösen, den Hobbits entgegen.
Wird ein Hobbit von Sauron erreicht oder überholt, so scheidet der Spieler aus.
Ist dies der Ringträger, so ist das Spiel beendet und jeder Spieler erhält die Punktzahl des Feldes, auf dem der Positionsstein auf dem aktuellen Abenteuerspielplan steht.
Gelingt es den Gefährten aber den Ring zu zerstören, so haben sie gemeinsam gewonnen.
| Der Herr der Ringe |
| Verlag |
Kosmos |
| Autor |
Reiner Knizia |
| Spieler |
2 bis 5 |
| Alter |
ab 10 Jahre |
| Wertung |
| Franz Haegel |
 |
| Norbert Fell |
 |
Nachdem zu Beginn die Spieler in Beutelsend, der Heimat der Hobbits, 6 Karten erhalten haben, beginnt die Reise, die zunächst über Bruchtal auf den ersten Abenteuerspielplan, Moria, später in Helms Klamm, Kankras Lauer und schließlich nach Mordor führt.
Auf den Abenteuerspielplänen müssen die Spieler versuchen, das Ende der Hauptaktionsleiste zu erreichen.
Daneben sollten sie auf den weiteren Aktionsleisten Schilde und Lebensplättchen, die es mit drei verschiedenen Symbolen gibt, sammeln.
Gezogen werden jeweils Positionssteine auf den Aktionsleisten, sowie auf einer Ereignistafel.
Hierzu nimmt der Spieler, der am Zug ist, zunächst Ereignisplättchen auf, die entweder ein Vorrücken des Positionssteins auf der Ereignistafel zur Folge haben, was in der Regel negative Folgen hat, oder dem Spieler die Möglichkeit geben, auf den Aktionsleisten vorzurücken.
Das Abenteuer ist beendet, wenn entweder der Positionsstein auf der Hauptaktionsleiste, oder der auf der Ereignistafel auf dem letzten Feld ankommt.
Letzteres hat meist fatale Folgen.
Auf den Aktionsleisten wird gezogen, wenn ein Spieler aus dem verdeckten Stapel der Ereigniskarten eines der Symbole zieht, die auch auf den Hobbitkarten zu finden sind.
Danach kann er noch ein oder zwei Karten ausspielen, um auf den Aktionsleisten weiterzuziehen und Schilde oder Lebensplättchen zu sammeln.
Das Ziehen erfolgt allerdings nicht beliebig.
Jeder Aktionsleiste ist ein Symbol zugeordnet und es sind auch nicht immer alle Symbole gefragt.
Neue Karten erhält man nur dann, wenn man auf das Ausspielen von Karten verzichtet und zwischen den Abenteuern.
Letztere sind Sonderkarten, welche die Symbole der Hobbitkarten tragen oder besondere Aktionen erlauben.
Es heißt also, mit seinen Karten sorgsam umzugehen und sich möglichst nicht leer zu spielen, zumal viele Ereignisplättchen die Abgabe von Karten, Lebensplättchen oder Schilden verlangen.
Können die Spieler diese Forderungen nicht erfüllen, so schreiten entweder Hobbitfiguren in die Finsternis oder Sauron zieht ihnen entgegen.
Andere Ereignisse verlangen das Würfeln eines Spielers.
Die meisten Würfe führen ebenfalls zur Annäherung von Sauron und den Hobbits.
Als letzte Möglichkeit, Unglück abzuwenden, steht den Hobbits oft nur noch die Hilfe Gandalfs, des Zauberers, offen.
Eine begrenzte Zahl von Gandalfkarten ist oft die Rettung in letzter Not.
Schon das Erreichen von Mordor ist eine schwierige Herausforderung und nur durch Kooperation der Spieler möglich.
Sie müssen dabei ihre jeweiligen Positionen und Aktionen , sowie die Charaktere ihrer Figuren, die unterschiedliche Stärken haben, miteinander abstimmen.
Der Reiz des Spiels liegt also in der gemeinsamen Verfolgung eines Ziels, nämlich den Ring zu zerstören, und in der immer wieder neuen Herausforderung.
Dieses Spielprinzip ist dem Thema durchaus angemessen.
Die literarische Vorlage wird keineswegs verletzt, auch wenn das Spiel natürlich die Geschichte nicht vollkommen nachzeichnen kann.
Alles in allem halte ich den Herrn der Ringe für ein gelungenes Spiel, das allerdings nichts für eine schnelle Partie zwischendurch ist.
Das Spiel ist durch die vielen Spielelemente und Spielpläne sehr umfangreich.
Schon das erste Durcharbeiten der Regel erforderte mehr als eine Stunde.
Hat man das Prinzip aber erst einmal verstanden, geht das Spiel schon voran und schleppt sich nicht mühsam dahin.
Liebhaber können daran durchaus ihre Freude haben.
FRANZ HAEGEL