Bali

bali.jpg 7 KB Bali - Schattenspiele der Macht, so nennt sich eine vielversprechend aussehende Spieleneuheit. Ein bekannter Autor, Uwe Rosenberg (unter anderem Bohnanza), bei einem renommierten Verlag, Kosmos (unter anderem Die Siedler von Catan), das klingt doch eigentlich vielversprechend. Aber leider ist Bali ein gutes Beispiel dafür, das weniger eben doch mehr sein kann. Dabei klingt die Spielidee zunächst ziemlich reizvoll. Sie ist angesiedelt im Malaiischen Archipel (dem heutigen Indonesien) des 16. Jahrhunderts. Der Dalang, der oberste Puppenspieler, reist von Insel zu Insel und verteilt die Machtsymbole Dämonenmaske und Herrschafts-Siegel. Wer die hochwertigsten Symbole sein eigen nennen kann, wird neuer König.

Bali
Verlag Kosmos
Autor Uwe Rosenberg
Spieler 3 oder 4
Alter ab 12 Jahren
Wertung
Andreas Haaß eins.gif 1 KB
Bernd Severit fuenf.gif 1 KB
Jedem der Mitspieler gehört auf jeder der vier Inseln jeweils ein Dorf. Pro Insel können zwei Machtsymbole erworben werden. Gespielt wird mit Karten, die den Hofstaat (Priester, Krieger, Fürst, Gelehrter und Künstler) darstellen oder auf denen der Dalang abgebildet ist. Mit den letztgenannten Karten kann der Puppenspieler von einer zur nächsten Insel fahren und diese somit aktivieren. Denn nur da, wo der Dalang sich aufhält, wird gespielt. Daher hat jeder Spieler auch an jeder Insel ein Kartenhäufchen liegen. Und damit fangen dann die Probleme an. Unter bestimmten Bedingungen kann man einen Krieg beginnen, man darf Karten an seine Inseln legen oder von dort entfernen oder sie austauschen. Die Priester- und Fürstenkarten bestimmen, wer Inhaber des Machtsymbols ist. Soweit, so gut. Nur muss man bei der einen Option die benötigten Karten von oben vom Inselstapel nehmen, bei der anderen Option von unten. Und wenn man Pech hat, wandert der Dalang schon weiter. Die Spieler sollen sich also die Reihenfolge der eigenen Karten (von oben und unten) an vier(!) Inseln merken! Dazu am besten auch noch, wie die Gegenspieler ihre Karten verteilen.

Von der Möglichkeit eines Ortswechsel mit oder ohne Wertung und damit mit oder ohne Spielerwechsel habe ich ja noch gar nicht gesprochen. Nein, in diesem Spiel sind einfach zu viele Dinge zu beachten. Immer wieder muss in der Anleitung nachgelesen werden, aber selbst die ist trotz vieler Beispiele nicht immer schlüssig. Ein Spielfluss kann sich gar nicht entwickeln, und Spielspaß entsteht eigentlich nur beim Auspacken (Oh, das sieht aber schön aus) und beim Einpacken (Endlich ist diese Qual vorbei). Vielleicht ist ja der Name des reisenden Puppenspielers Da-lang (wo auch sonst?) Ausdruck der (Bier-)Laune, in der Bali vermutlich entstanden ist. Anders ist so ein Spiel sonst eigentlich nicht zu erklären.

ANDREAS HAAß


Ausgepackt!
Mister X e.V.