Kartenspiele 2000

Der Trend zum Kartenspiel in der deutschen Spielelandschaft ist ungebrochen. Nachdem letztes Jahr mit Verräter, Mamma Mia und Money drei Kartenspiele auf der Auswahlliste waren, schafften es dieses Jahr zwar nur Zwei, aber dafür wurde Ohne Furcht und Adel in den Kreis der Top 3 (sprich Prädikat Nominiert für das Spiel des Jahres) des Jahrgangs aufgenommen. Seit 1994 (6 nimmt!) war kein Kartenspiel so nah am Spiel des Jahres.

Das Nominierte: Ohne Furcht und Adel

furcht2.jpg 12 KB In Ohne Furcht und Adel versuchen die Mitspieler eine möglichst wertvolle Stadt zu errichten. Eine Stadt besteht aus genau acht Bauwerkskarten. Dazu schlüpfen sie in jeder Runde in einen der acht verschiedenen Charaktere. Jeder Charakter erweitert die Möglichkeiten der Mitspieler in einer Runde. Grundsätzlich erhält man pro Runde Gold oder eine Bauwerkskarte und das Recht eine Bauwerkskarte auszuspielen. Ist man jedoch der Baumeister, dann erhält man zusätzlich zwei Bauwerkskarten und darf sogar bis zu drei Bauwerke auslegen. Natürlich braucht man dazu viel Gold, denn je wertvoller das Gebäude, desto mehr muß man für dessen Erbauung bezahlen. Also ist man vielleicht doch lieber der Händler, denn dieser erhält ein zusätzliches Goldstück und ein Goldstück für jedes grüne Gebäude, welches er bereits errichtet hat.

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Die Verteilung der Charaktere erfolgt nicht etwa zufällig. Nein, man darf sich den Charakter aussuchen. Die erste Wahl hat der König. Danach folgen die Spieler im Uhrzeigersinn. Vor allen Dingen sieht man, was die lieben Mitspieler sich bereits ausgesucht haben und kann sich so seine eigenen Gedanken darüber machen. Wem dieser Mechanismus bekannt vorkommt, der irrt sich nicht, denn in der Spielregel bedanken sich Autor und Verlag bei Herrn Merkle für die Verwendung dieses Mechanismus aus dem Kartenspiel Verräter. Doch zurück zum Spiel. Die Charaktere sind natürlich das Salz in der Suppe. Neben Baumeister, Händler und König sorgen besonders Meuchler (verhilft einem anderen Charakter zu einer unwillkommenen Pause) und Dieb (erleichtert einen anderen Charakter um seine Goldvorräte) für großes Hallo in den Spielrunden. Das Spiel funktioniert hervorragend für 4 bis 7 Mitspieler. Die Regel für 3 Mitspieler krankt an dem Verzicht auf den beliebten Meuchler. Inzwischen ist jedoch ein Regelupdate verfügbar, mit dem man sogar zu zweit schon bauen und meucheln kann. Hier erhält man für wenig Geld ein Spiel, daß immer wieder auf den Spieltisch kommen wird. Auch weil es nicht nur gut ist, sondern auch noch gut aussieht. Ein besonderes Lob an die grafische Gestaltung.

Das Ausgewählte: Zoff im Zoo

zoff.jpg 14 KB Bei Zoff im Zoo versuchen die Mitspieler möglichst schnell ihre Karten loszuwerden, denn für jeden Mitspieler der noch Karten auf der Hand hat bekommt man einen Punkt. Kein Problem? Doch! Es gibt 12 verschiedene (Tier-)Karten. Schauen wir uns doch einmal eine Karte, wie den Seelöwen, genauer an. Neben dem Seelöwen sind noch zwei weitere Tiere abgebildet: Eisbär und Wal. Das sind die einzigen Tiere (= Karten), die den Seelöwen besiegen (= übertrumpfen). Das bedeutet für unser Spiel: Liegt ein Seelöwe im Stich, dann kann der nächste Spieler nur einen Eisbär, einen Wal oder zwei Seelöwen ausspielen. Denn: Entweder legt man genau die gleiche Anzahl an Karten, die das ausliegende Tier besiegen, oder eine Karte mehr von dem ausliegenden Tier. So kreist ein Stich so lange um den Spieltisch, bis keiner mehr Karten ablegen kann oder will. Dann eröffnet der Gewinner des letzten Stichs neu. Eine Runde endet sobald nur noch ein Spieler Karten auf der Hand hat. Einige Karten haben auch Sondermöglichkeiten oder bringen Zusatzpunkte, wenn man sie in seinen Stichen hat. So kann man aus einer Mücke einen Elefanten machen. Löwen bringen Zusatzpunkte. Hat man keinen Igel, dann wird ein Punkt abgezogen. Ab der zweiten Runde wird dann in Team gezofft. Dann erhält man neben den eigenen Punkten auch die des Partners. Im Spiel selbst darf man dem Partner aber auch kartentechnisch unter die Arme greifen. Zoff im Zoo ist gewohnt liebevoll von Doris Matthäus illustriert und erweitert einen bekannten Kartenspielmechanismus (Karrierepoker, Der große Dalmuti, ...) um neue interessante Aspekte. Eine lohnende Investition für alle Kartenspieler.

Was sonst noch war

dolce_m.jpg 3 KBBei Hans im Glück gab es neben Ohne Furcht und Adel noch drei Neuerscheinungen. Am besten hat mir von den Dreien Dolce Vita gefallen. In Dolce Vita wird in mehreren Runden um Luxusgüter und Geld geboten. Das Problem: Jeder darf jedes Luxusgut nur einmal besitzen und man bekommt nicht immer das, was man sich auch gewünscht hat. Ein gutes Familienspiel, das schnell erklärt werden kann und mit einer Spieldauer von 30 Minuten hervorragend als Appetitanreger oder Absacker für einen langen Spieleabend geeignet ist.

trex_m.jpg 3 KBIn T-Rex wird um Dinoeier gespielt. Sieger und Zweitplatzierter eines Stiches erhalten jeweils ein Ei. Der Witz liegt im Nachziehen der Karten und Beenden eines Stichs. Auf jeder Karte regelt ein Symbol, ob man eine oder mehrere Karten Nachziehen darf, oder ob der Stich nach der nächsten Ausspielrunde beendet ist. Interessante Ideen, die aber irgendwie nicht so richtig funktionieren wollen. T-Rex erntete in unseren Runden meistens nur ein Schulterzucken.

zoff.jpg 3 KBDann ist da noch Willi. Ein Stichspiel und doch keines. Denn wenn ein Spieler WILLI ruft, dann bekommt er den Stich auf jeden Fall. Zum Glück darf jeder Spieler nur zwei Stiche machen. Leider funktioniert Willi zu dritt überhaupt nicht und zu viert nur so lala. Fazit Willi nicht!. Negativ fällt bei allen drei Spielen das Fehlen einer separaten Spielregel auf. Diese befindet sich nämlich auch auf Spielkarten. 18 Kartenseiten Regeln bei T-Rex! Da wurde am falschen Ende gespart.

koenig_m.jpg 3 KBBei Amigo gab es schon immer gute Kartenspiele (6 nimmt!, Sticheln, Hattrick, Bohnanza, ..). Dieses Jahr wurde leider dieses sehr hohe Niveau nicht gehalten. Gut gefallen hat uns der König der Elfen, die Kartenspielversion des Spiel des Jahres 98 Elfenland. Jetzt reisen die Elfen nicht mehr nur über den Spielplan, sondern erbauen das Elfenreich vor ihrer Reise auch noch selbst. Das Kartenspiel ist sonst stark an seinen Brettspielvater angelehnt. Das Ärgerpotential ist gegenüber Elfenland erhöht worden. Dafür ist der Spielablauf nicht mehr so flüssig. Wer Elfenland liebt, der wird auch den König der Elfen mögen. Allein schon als Urlaubsspiel, weil es so viel weniger Platz im Koffer einnimmt.

space_m.jpg 3 KBNicht nur die Siedler erreichten dieses Jahr den Weltraum. Auch Uwe Rosenbergs Bohnen breiten sich ins All aus. Dieses mal darf man sogar die Reihenfolge der Karten auf der Hand verändern. Das nutzt einem aber überhaupt nichts, denn nachdem man seinen Spielzug beendet hat, muß man alle seine Karten seinem rechten Nachbarn schenken. Space Beans steht voll in der Tradition seiner Vorgänger Bohnanza und La Isla Bohnita. Es ist aber keine Erweiterung sondern ein eigenständiges Spiel. Space Beans hat zwar nicht die Klasse von Bohnanza, dafür den mit Abstand witzigsten Schachteltext des Jahres.

zack_m.jpg 3 KBDann gab es noch Zack bei Amigo und wegen seiner thematischen Nähe gleichzeitig Puls bei Adlung. Beides sind Schnellablegespiele in der Tradition von Speed oder Ligretto. Ziel ist es seine Karten vollständig abzuwerfen. Bei Zack gibt die zuletzt gespielte Karte immer eindeutig vor, wer als nächster an der Reihe ist. Dieser Spieler dreht einfach seine oberste Karte um und wirft diese in die Spieleschachtel. Und wieder bestimmt diese Karte den nächsten Ausspieler. Gleichzeitig versuchen die Mitspieler Einspruchkarten in die Schachtel zu werfen, bevor der reguläre Spieler seine Karte wirft oder ein Mitspieler fehlerhaft geworfen hat. Zack ist einfach nur chaotisch und nur für ausgesprochene Liebhaber von solchen Reaktionsspielen geeignet.

puls_m.jpg 3 KBPuls spricht eher die kleinen grauen Zellen an. Aber die Geschwindigkeit kommt auch nicht zu kurz. Hier gibt die letzte Karte die möglichen Folgespieler vor. Allerdings sind die Karten nicht verdeckt, wie bei Zack, sondern offen auf der Hand. Das ist auch nötig, denn die zu spielende Karte muß eine andere Farbe haben und die Zahl auf der Karte darf kein Teiler oder Vielfaches der Zahl auf der zuletzt ausgespielten Karte haben. Leider sind die Karten etwas wirr gestaltet, so daß das Nachvollziehen des korrekten Spielablaufes sich recht schwierig gestaltet. Deshalb kann ich auch Puls nur bedingt empfehlen.

Übersicht
Spiel Autor Verlag Spieler Wertung
Ohne Furcht und Adel Bruno Faidutti Hans im Glück (2)3-7 ab 10 sechs.gif 1 KBfuenf.gif 1 KB
Zoff im Zoo Doris Matthäus
Frank Nestel
Doris & Frank 4-7 ab 10 fuenf.gif 1 KB
Dolce Vita Reiner Stockhausen Hans im Glück 3-5 ab 10 fuenf.gif 1 KBvier.gif 1 KB
T-Rex Hanno Kuhn
Wilfired Kuhn
Hans im Glück 3-5 ab 10 vier.gif 1 KBdrei.gif 1 KB
Willi Günther Burkhardt Hans im Glück 3-4 ab 10 drei.gif 1 KBzwei.gif 1 KB
König der Elfen Alan Moon Amigo 2-6 ab 10 fuenf.gif 1 KBvier.gif 1 KB
Space Beans Uwe Rosenberg Amigo 2-6 ab 10 vier.gif 1 KB
Zack Amigo 3-6 ab 10 drei.gif 1 KB
Puls Marion & Andreas
Dettelbach
Adlung 2-6 ab 12 drei.gif 1 KB

DIRK HORSTER


Ausgepackt!
Mister X e.V.