Das Rennen um das Spiel des Jahres steht in diesem Jahr im Zeichen des K.
Wolgang Kramer, fünfmaliger Titelträger (Spiel des Jahres 1986, 1987 und 1996/ deutscher Spielepreis 1994 und 1996) trifft auf den Herausforderer Reiner Knizia (deutscher Spielepreis 1993 und 1998).
Die erste Runde dieses spannenden Titelkampfes um die Krone des weltweit größten Spielmarktes wurde in Essen am Stand des Hans im Glück-Verlages ausgetragen.
Wolfgang Kramers schickte das in der Welt von El Grande angesiedelte, hochtaktische Legespiel El Caballero gegen Reiner Knizias japanische Einflussnahme Samurai ins Rennen.
In Nürnberg, der zweiten Station des Titelstreites, konterte Wolgang Kramer auf das in Essen bereits als Muster gezeigte Ra (Alea) von Reiner Knizia, mit einer Dschungel-Handels Kombination in Form von Tikal (Ravensburger) und Die Händler (Queen Games).
Aber der Wahl-Brite Knizia parierte erfolgreich mit Highlander (Verzeihung!) Rheinländer (Hasbro!).
Natürlich erschienen in Essen und Nürnberg noch zahlreiche anspruchsvolle Spiele anderer, nicht mit K beginnender, Autoren.
Ich befürchte, dass sie sich in diesem Jahr den beiden K's geschlagen geben müssen.
| Samurai | |
|---|---|
| Verlag | Hans im Glück |
| Autor | Reiner Knizia |
| Spieler | 2 bis 4 |
| Alter | ab 10 Jahren |
| Wertung | |
| Dirk Horster | ![]() |
| Lars Hoppe | ![]() |
Doch zurück zum Thema und damit zu Runde 1 nach Essen. Wie jedes Jahr war der Andrang groß. Besonders groß am Stand von Hans im Glück, denn dort gibt es traditionsgemäß einen der Messefavoriten zu sehen. Verstärkt wird das Gedränge natürlich durch die geringe Anzahl der Tische (nämlich genau einen pro Neuheit) und das perfekte Ambiente. Na klar, man kann sich die Spiele auch am geräumigen, aber nüchternen, Stand von Schmidt-Spiele (Vertriebspartner von Hans im Glück) ansehen. Aber das hat einfach nicht den richtigen Kick. Jetzt nehmen wir aber schnell auf einer der gerade frei gewordenen Reismatten Platz. Richtig, Samurai spielt in Japan, und die lieben Mitspieler streiten als Samurai um die Herrschaft im Kaiserreich. Dabei wird nicht gekämpft, sondern mittels Einflußplättchen um die Gunst der drei vorhandenen Machtgruppen (Priester, Edelmänner und Reisbauern) gebuhlt. Der Spielplan zeigt eine mit einem Sechseckraster überzogene Japankarte. Auf einigen Feldern sind Städte und Dörfer abgebildet, auf denen die Spieler zu Beginn die Repräsentanten der drei Machtgruppen verteilen. Diese werden durch hübsch anzusehende schwarze Plexiglasfiguren dargestellt. Jeder Spieler besitzt einen identischen Satz von Einflußplättchen von denen er zu Spielbeginn fünf hinter seinen Sichtschutz nehmen kann. Die meisten Plättchen beeinflussen eine der drei Machtgruppen mit zwei bis vier Punkten. Dazu kommen noch die Samurai, die einen bis drei Einflusspunkte auf alle drei Gruppen haben, sowie einige Sonderplättchen, die zum Beispiel einen zusätzlichen Spielzug ermöglichen. Ein Spielzug ist sehr simpel. Man legt ein Plätchen auf den Spielplan und zieht danach eines nach. Wird eine Stadt oder ein Dorf durch das gelegte Plättchen vollständig von Plättchen umschlossen, kommt es zur Abrechnung. Wer mittels seiner anliegenden Plättchen den größten Einfluss auf die Gruppen (pro Dorf eine, pro Stadt zwei und in der Hauptstadt alle drei) genommen hat, erhält die dort vorhandenen Figuren. Bei einem Patt wird die Figur aus dem Spiel genommen. Das Spiel endet, nachdem die letzte Figur einer Gruppe vom Plan, oder die vierte Figur wegen eines Patts aus dem Spiel genommen wird.
Wenn Sie jetzt glauben, dass nun derjenige gewonnen hat, der die meisten Figuren gesammelt hat, dann haben Sie die Rechnung ohne Reiner Knizia gemacht.
Damit man gewinnen kann, muss man in einer Gruppe die alleinige (sprich relative) Mehrheit besitzen.
Hat man diese Hürde genommen, zählt man die Figuren der beiden anderen Gruppen.
Wer dort das beste Ergebnis vorweisen kann, hat gewonnen.
Grundsätzlich enthält Samurai nichts wesentlich Neues.
Durch Ablegen von Spielsteinen Punkte oder Einfluss zu erlangen, haben wir auch schon bei Reiner Knizia erlebt.
Aber es gibt drei wesentliche Gründe, Samurai dennoch zu den Topspielen zu zählen.
1. Die Siegbedingung erfordert das möglichst gleichmäßige Sammeln der Figuren.
Je gleichmäßiger man jedoch sammelt, desto größer ist die Gefahr, keine Mehrheit in einer Gruppe zu erlangen.
2. Gerade die Sonderplättchen geben dem Spiel einen besonderen Pfiff.
Mit Schiffen kann zum Beispiel zusätzlichen Einfluss auf Küstenorte genommen werden, so dass es dort zu überraschenden Wenden kommen kann.
Natürlich ist man dem Glück beim Nachziehen der Plättchen ausgeliefert, doch gerade zu Spielbeginn kann man durch geschickte Auswahl seiner Startplättchen schon Boden gewinnen.
Außerdem ist es immer günstig, seine Niederlage auf das fehlende Glück schieben zu können.
3. Die optische Umsetzung, sei es Spielplan, Schachtel, Figuren... ist einfach optimal und stimmig.
Ein ganz dickes Lob an Franz Vohwinkel.
Da macht das Spielen einfach Spaß.
Was bleibt zu sagen?
Samurai funktioniert auch tadellos zu zweit und zu dritt.
Eine komplette Runde mit vier Spielern ist aber zu favorisieren.
Im Streit um die Spielekrone sehe ich einen knappen Punktieg für Reiner Knizia in der ersten Runde.
Aber das ist nur meine persönliche Meinung und auch nur die erste Runde.
Abgerechnet wird im Sommer und bis dahin werden noch eine Menge Würfel geworfen.
Nachtrag: Diese Zeilen schrieb ich kurz nach der Messe in Nürnberg. Wie nicht anders zu erwarten, war die Jury des Spiel des Jahres anderer Meinung. Kein Ra, kein Samurai, keine Händler. Reiner Knizia wurde sogar nur mit seinem zugegeben netten, aber unspektakulären Kartenspiel Money berücksichtigt. Aber Volkes Stimme (ich meine den deutschen Spielepreis) hat dann doch noch alles ins rechte Licht gerückt. Platz 1,2,4 und 5 für die beiden K's. Es war also doch das Jahr des K.
DIRK HORSTER