Aus der Werbung kennen wir den Spruch: Quadratisch, praktisch, gut.
Seit den Siedlern von Catan kann man diesen Werbeslogan auch auf den Kosmos-Verlag anwenden.
Gut waren die Spiele aus Stuttgart schon immer.
Denken wir nur an Evergreens wie Forum Romanum, Terra Turrium, Janus, ...
Die Schachteln waren auch wunderschön, allerdings auch gigantisch groß und somit ziemlich unpraktisch.
Apropos gigantisch. Die große quadratische Neuheit trägt zurecht diesen Titel. Einmal weil man in Stuttgart an der Ausstattung nicht gespart hat. Allein der Spielplan hat 6-fache Schachtelgröße. Zudem gibt es noch einen ganzen Beutel voller Bohrtürme, Ölsteine, Lkws, Lokomotiven sowie Förderkarten, Aktionskarten und Spielgeld. Womit wir beim Thema von Giganten, der Jagd nach dem schwarzen Gold, sind.
Drei oder vier Ölsucher beginnen das Spiel mit ein paar Dollars, einem LKW und einem Güterzug. Im Verlaufe des Spiels versuchen sie Ölquellen zu erschließen, das Öl mit ihren Zügen in die Lager zu fahren und es dort in möglichst harte Dollars zu verwandeln. Dies alles geschieht in Runden, die in neun (!) Aktionen aufgeteilt, welche die Spieler jeweils ausführen. Otto Normalspieler braucht jetzt nicht abwinken. Das Spielgeschehen konzentriert sich im wesentlichen auf drei Aktionen. Außerdem gibt es für jeden Mitspieler einen Spielehilfe, so daß ein flüssiger Ablauf garantiert ist. Doch zurück zu den zentralen Aktionen.
| Giganten | |
|---|---|
| Verlag | KOSMOS |
| Autor | Wilko Manz |
| Spieler | 3 bis 4 |
| Alter | ab 10 Jahren |
| Wertung | |
| Dirk Horster | ![]() |
Die zweite zentrale Aktion ist das Verteilen der Bewegungspunkte. Diese kann man zwischen LKW und Zug beliebig aufteilen. Mit dem LKW fährt man zu den Ölvorkommen und kann diese auf ihre Qualität hin überprüfen. Bleibt man neben einem noch nicht erschlossenen Feld stehen, kann man später dort einen Förderturm errichten. So ein Förderturm produziert jede Runde einen Ölstein, den man später zu Geld machen kann. Allerdings ist das Vorkommen nicht unerschöpflich, sondern liegt pro Feld zwischen zwei und sechs Steinen. Die Verteilung erfolgt zufällig zu Beginn des Spiels. Dabei liegen die wertvolleren Felder am entfernteren Spielplanende. Womit wir bei den Zügen wären. Die Züge transportieren das Öl in die Lager. Die Gleise führen vom Startplatz der Spieler an den Öllagern bis zum Verladehafen an der anderen Spielplanseite. Damit ein Zug das Öl auch in die Lager fahren kann muß er sich mindestens auf gleicher Höhe mit der eigenen Ölquelle befinden. Ist das nicht der Fall, versickert das schwarze Gold einfach im Wüstensand, oder man bezahlt einen Konkurrenten, dessen Lok schon weit genug vorne steht, für den Transport. Da Giganten kein Kindergeburtstag sondern ein Wirtschaftsspiel (= der reichste Spieler gewinnt) ist, sollte man dem lieben Mitspielern nicht unnötig Geld in den Rachen werfen. Also lieber mal eine Runde keine neue Quelle erschließen, sondern den eigenen Zug nach vorne bringen. Zudem der Spieler, dessen Zug am Ende des Spiels am weitesten vorgefahren ist, weitere Vergünstigungen, sprich Bargeld, erwarten kann.
So, nun ist das Öl in die Lager verteilt worden.
Von denen gibt es drei Stück, die alle einen unterschiedlichen Verkaufspreis, der natürlich jede Runde wechselt, anbieten.
Natürlich darf jetzt nicht einfach jeder sein Öl verkaufen wo er es möchte.
In jedem Lager wird das Verkaufsrecht versteigert.
An dieser Stelle kommen die Verkaufslizenzen zum Einsatz.
Nur der Spieler mit dem höchsten Gebot an Verkaufslizenzen, darf Öl aus diesem Lager verkaufen.
Dabei ist zu beachten, daß sich am Ende einer Runde nur maximal zwei eigene Ölsteine in einem Lager befinden dürfen.
Überzählige Steine müssen zu Dumpingpreisen verschleudert werden.
Wenn man diesem Spiel etwas vorwerfen möchte, dann höchstens eine gewisse Monotonie im Spielverlauf. Die Abfolge der Aktionen ist nun mal immer gleich. Das stört aber nur am Anfang der etwa 90-minütigen Partie, denn dann ist der große Plan einfach noch zu leer. Aber wenn nach einigen Runden die Lager gefüllt, die Bohrtürme errichtet und die Züge über die Gleise gedampft sind, werden die Möglichkeiten vielfältiger und man kann auch einmal wieder richtig gemein sein. Für Giganten kann ich bedenkenlos eine unbedingte Empfehlung aussprechen. In einem insgesamt schlechteren Jahrgang hätte es durchaus zu höheren Ehren kommen können. In einem in der Breite so guten Jahr wie diesem, ist die Aufnahme in den Kreis der nominierten Spiele zum Preis Spiel des Jahres ( d.h.: Platz 1, 2 und 3) etwas zu hoch gegriffen. Ich teile da die Meinung der Juroren des deutschen Spielepreises, die Giganten auf Platz 6 wählten.
DIRK HORSTER