El Caballero

elcaba.jpg 14 KB Am Beginn dieser Spielekritik sollen zwei Fragen stehen, die sich der geneigte Leser stellen möge: Würden Sie sich ein Spiel kaufen, dessen Schachtel zu 92 % nichts anderes als Luft enthält? Würden Sie ein Spiel kaufen, dessen Äußeres fast genau einem älteren entspricht? Wenn Sie beide Fragen mit Nein beantworten, dürfte Ihnen eines der besten Spiele des Jahres entgehen! Die Rede ist von El Caballero aus dem Hause Hans im Glück. Das neue Spiel von Wolfgang Kramer und Richard Ullrich ähnelt sowohl in Spielgestaltung als auch in der grundlegenden Idee so sehr dem Vorgänger El Grande, dass man es einfach als Nachfolgeversion auffassen und abtun könnte. Zum Glück ist den Spieleautoren aber ein eigenständiges Spiel gelungen, das meiner Meinung sogar besser als der Vorgänger ist.

El Caballero
Verlag Hans im Glück
Autor Wolgang Kramer
Richard Ullrich
Spieler 2 bis 4
Alter ab 10 Jahren
Wertung
Lars Hoppe sechs.gif 1 KB
Aggi Schmitz vier.gif 1 KB

Der Hauptunterschied zu El Grande ist, das die Spielwelt erst im Verlauf des Spiels entsteht, und alle Spieler am Aufbau (der Entdeckung) der Inselwelt mitarbeiten. Die sich dadurch zusätzlichen ergebenden taktischen Möglichkeiten verleihen dem Spiel eine besondere Würze. Wie läuft das Spiel nun genau ab? Zu Beginn der zehn Runden liegen zwischen den Spielern ein einzelnes Gebietskärtchen - der Kern der Inselwelt -, fünf offene Gebietskärtchen, die in dieser Runde an das einzelne angelegt werden müssen, ein Stapel mit verdeckten Gebietskärtchen,, aus dem die offenen ergänzt werden, sowie je zwei Caballerokarten, die den Hof eines Spielers bilden und in der Summe 5 zeigen sowie ein Stapel mit sechs Caballerokarten, die in der Inselwelt angelegt werden können. Jeder Spieler hat zusätzlich eine Kartenhand mit Machtkarten im Wert von 1 bis 13. Diese regeln die Zugreihenfolge und die Anzahl der Caballeros, die man in dieser Runde an den eigenen Hof holen kann. Alles aus El Grande bekannt? Ja, nur mit dem Unterschied, das die Caballeros jetzt keine Holzklötzchen, sondern Zahlen auf einer Karte sind. Ziel ist es, in den drei Wertungsrunden die meisten Punkte zu bekommen und so El Caballero zu werden. Dies gelingt, wenn man den größten Einfluß auf die Inseln hat, denn dann werden die Gebietskärtchen der Inseln doppelt gewertet. Der zweite bekommt die Kärtchenzahl einfach gutgeschrieben, alle anderen gehen leer aus. Günstiger sieht das bei Wassergebieten aus, die für alle einfach gewertet werden, die dort ein Schiff haben.

Eine Runde läuft so ab, dass die Spieler nach Vorgabe der offen liegenden Gebietskärtchen überlegen, welche Machtkarte sie ausspielen wollen. Diese werden beim Startspieler beginnend nacheinander offen abgelegt, wobei keine Zahl zweimal vorkommen darf. Danach sind sie aus dem Spiel. Der Spieler mit der höchsten Machtkarte fängt an. Er holt sich die auf der Karte abgebildete Zahl an Caballeros an seinen Hof, indem er die vor ihm liegenden zwei Caballerokarten so lange dreht, bis sie die richtige Summe anzeigen. Danach muss er ein offenes Gebietskärtchen so anlegen, das Land an Land und Wasser an Wasser grenzt. Jetzt kann er ein bis zwei Caballerokarten an eine Insel anlegen oder eine bereits liegende Karte durch Drehen so erhöhen, dass eine von den Mitspielern unterschiedliche Zahl von Caballeros vorliegt. Der Spieler kann weiterhin ein Schiff oder ein Castillo kaufen oder einsetzen oder als letzte Möglichkeiten einen Alkalden oder einen Granden einsetzen. Durch das Anlegen der Gebietskärtchen kann man starken Einfluss auf die Machtverhältnisse der Inselwelt nehmen, denn eine Caballerokarte darf niemals mit zwei Seiten an Land grenzen! Ist dies nach Anlegen der Gebietskarte der Fall, muss der betreffende Spieler seine Caballerokarte unter Verlust aller Caballeros zurücknehmen, es sei denn, er hat sie durch Spielen einer Castillokarte gesichert. In diesem Fall kehren die Caballeros an den Hof zurück. Das Spiel kann nach den Grund- oder den Erweiterungsregeln gespielt werden, wobei die Erweiterungsregeln eindeutig vorzuziehen sind. Die wenigen, aber sehr sinnvollen Regelergänzungen verbessern die taktischen Möglichkeiten und führen damit zu deutlich mehr Spielspaß. Sie erlauben zum Beispiel das Einsetzen eines Granden. Dieser schützt eine bereits liegende Caballerokarte davor, vom Spielfeld genommen werden zu müssen, wenn sie zweifach an Land grenzt. Weiterhin kann man jetzt einen Alkalden auf eine eingeschlossene Insel einsetzen und diese für sich sichern. Eingeschlossen ist eine Insel immer dann, wenn an ihr keine Caballerokarten liegen können.

Ich habe das Spiel mehrfach mit wachsender Begeisterung gespielt, denn das Spiel entwickelt sich immer anders, immer neu, und man entdeckt bei jedem Spiel zusehends mehr Möglichkeiten. Es ist eine sehr gelungene Mischung aus Taktik, Mitspielerärgern und einer kleinen Portion Glück. Die graphische Gestaltung ist durchweg gelungen, vielleicht hätte man die Gebietskärtchen etwas abwechslungsreicher gestalten können, dies ist aber nicht wirklich ein Kritikpunkt. Aus dem oben gesagten sollte klar werden: Dieses Spiel bekommt von mir 6 Punkte.

LARS HOPPE


Ausgepackt!
Mister X e.V.