Das Spielejahr 1997/98 bescherte dem Münchener Hans im Glück-Verlag wiederum zwei Nominierungen auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres. Aufgrund von Komplexität und Spieldauer sind Euphrat & Tigris und Die Macher, trotz eines überragenden Spielreizes, dem Gelegenheitsspieler nicht bedenkenlos zu empfehlen. Besser als Familienspiel eignen sich die beiden Nürnberger Neuheiten Freibeuter und Cheops beides Erstlingswerke ihrer Autoren in einem großen Verlag sind.
| Cheops | |
|---|---|
| Verlag | Hans im Glück |
| Autor | Klaus Paal |
| Spieler | 2 bis 5 |
| Alter | ab 10 Jahren |
| Wertung | |
| Dirk Horster | ![]() |
| Thomas Heinze | ![]() |
| Aggi Schmitz | ![]() |
In Cheops agieren die Mitspieler als Schatzräuber in einer ägyptischen Pyramide. 66 Schätze in 6 verschiedenen Farben und 12 Gesetzestafeln sollen von den Mitspielern in möglichst viele Piaster verwandelt werden. Um an die Schätze zu kommen, bedienen sich die Spieler der Mitglieder der Familie Ahliman. Jeder der vier Mitglieder kann in einer Runde einen Schatz oder eine Gesetzestafel aus der Pyramide stehlen. Dabei wird in der untersten Etage der Pyramide begonnen. Ein Schatz (oder eine Gesetzestafel) einer höheren Etage darf nur gestohlen werden, falls beide direkt unter diesem Schatz liegenden Felder bereits von den fleißigen Dieben entwendet wurden. Dabei lassen die Diebe immer ein Foto ihrer sebst am Tatort zurück, denn es gilt die Ganovenetikette, daß ein Dieb niemals zwei benachbarte Schätze stehlen darf. Nachdem so ein Familienmitglied erfolgreich seinen Job verrichtet hat, hat der Spieler zwei Möglichkeiten. Er kann den Schatz zu einem Festpreis direkt verkaufen, oder er kann ihn in seinem Versteck bis zum Spielende lagern und auf eine Preissteigerung dieser Schatzsorte hoffen. 6 Preistafeln regeln das Entgelt der Schatzsorten. Auf diesen Preistafeln ist quasi der Kurswert der Schätze aufgezeichnet. Jedesmal wenn ein Spieler einen Schatz direkt nach seinem Diebstahl verkauft, ändert sich der Verkaufspreis dieser Schatzart. Da der Kursverlauf jeder Schatzart offen liegt, kann das Risiko mehr oder weniger genau abgeschätzt werden. Mit den Gesetzestafeln kommt der Zufall ins Spiel. Der Spieler, der sie erbeutet hat, muß die Anweisungen der Tafel befolgen. Da werden Schätze vertauscht oder es wird der Festpreis für den sofortigen Verkauf verändert. Alle Auswirkungen sind für den befolgenden Spieler neutral bis leicht positiv. Das Spiel endet, wenn alle Schätze gestohlen, kein Dieb mehr erfolgreich zuschlagen kann oder zwei Preistafeln vollständig mit geraubten Schätzen gefüllt sind. Alle Spieler verkaufen jetzt ihrer gehorteten Schätze zum aktuellen Preis und der nunmehr reichste Spieler darf sich als Meisterdieb fühlen.
Cheops besticht durch sein äußerst gelungenes Spielmaterial und eine zum spielen animierende Optik. Die Regeln sind kurz, wenn auch nicht in allen Punkten glücklich formuliert. Trotzdem ergibt sich meist ein schneller Einstieg in das Spiel. Im Spiel selbst erweisen sich die anscheinend vielfältigen taktischen Möglichkeiten mit steigender Spielerzahl jedoch als trügerisch. So ist ein Schatz eigentlich grundsätzlich einer Gesetzestafel vorzuziehen. Auch kommt das Spielende meistens einfach zu überraschend. So war es meistens der Fall, daß man seine grauen Zellen zum kochen gebracht hat und am Ende hat jemand gewonnen, der nicht einmal sagen konnte warum. Cheops ist eines der Spiele, bei dem man das Gefühl hat, daß man daraus irgend etwas besseres hätte machen können. Leider bin ich bis jetzt nicht darauf gekommen, wie dies zu bewerkstelligen sein soll. Aber vielleicht fällt es dem Verlag ja selber ein. Ich kann jedem, der die Möglichkeiten besitzt, einen Besuch im Internet bei Hans im Glück unter der Adresse www.hans-im-glueck.de nur empfehlen. Dort findet man neben Varianten alles rund um das Hans im Glück-Programm.
DIRK HORSTER