Sie kennen doch bestimmt alle jenen alljährlich an Sylvester gesendeten Sketch Dinner for one.
Dann dürfte Ihnen auch das folgende Zitat aus diesem Sketch bekannt vorkommen, welches die große Ravensburger
Neuheit des Jahres 1997 sehr treffend charakterisiert:
James: Oh, by the way, the same procdure as last year, Miss Sophie ?
Miss Sophie: Same procedure as every year, James.
Was ich damit denn schon wieder sagen will? Alles ist wie immer bei Ravensburger. Die Ausstattung ist gut, die Grafik stimmungsvoll, die Regel läßt keine Frage offen und der genannte Autor (Sid Sackson) machen Lust auf eine Runde Shanghai. Doch war das nicht auch letztes Jahr bei Vegas oder 1994 bei Die Erbraffer schon so ? Einmal gespielt und danach nie wieder! Leider führt Shanghai diese Tradition fort, denn trotz allem fehlenden Spielreiz hat man immer das Gefühl, daß man aus diesem schönen Spielmaterial und einer wirklich guten Spielidee, die zudem noch so raffiniert in die Spieleschachtel verarbeitet ist, irgend etwas Gutes machen könnte.
| Shanghai | |
|---|---|
| Verlag | Ravensburger |
| Autor | Sid Sackson |
| Spieler | 3 bis 6 |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Wertung | |
| Dirk Horster | ![]() |
Doch worum geht es eigentlich in Shanghai. Die Spieler versuchen möglichst viele Informationen über die geheimnisvolle Dschunke zu sammeln, um diese als erster zu erreichen. Die Informationen erhält man von dem habgierigen und bestechlichen Lang-Tsu, der sich in jeder Runde an einen der 13 möglichen Treffpunkte in Shanghai begibt. Den Treffpunkt legt derjenige Spieler fest, der in einer Versteigerungsrunde Lang-Tsu das meiste Geld geboten hat. Jetzt haben alle Spieler die Möglichkeit, die zu diesem Treffpunkt passenden Zielortkarten auszuspielen und damit ihre Spielfigur in Richtung der Dschunke zu bewegen. Doch aufgepaßt. Je nach Tageszeit, die mit jeder Spielrunde wechselt, sind die Informationen von Lang-Tsu mehr oder weniger Punkte wert. Da muß man schon überlegen, ob man darauf wartet kann, daß sich Lang-Tsu später noch einmal an diesen Ort begibt. Die Dschunke steht jedoch nicht still, sondern wird über Ereigniskarten bewegt, die der Spieler, der die Versteigerungsrunde gewonnen hat, zieht oder aber einem Mitspieler überläßt. Doch diese Karten sind es, die dem Spielspaß spätestens den Genickbruch verpassen. Zitate gefällig? Deine Mitspieler sind einer Täuschung aufgesessen. Ihre soeben erworbenen Punkte verfallen. Oder wie ist es mit Der Letzte erhält umsonst geheime Informationen. Er verbessert sich um zwei Positionen. Mit den Ereigniskarten verflacht Shanghai zu einem Lotto-Spiel mit dem Unterschied, daß es bei Shanghai kein Geld zu gewinnen gibt.
Trott diesen Mängeln wird Shanghai eines der vier Spiele der Intergame (Brettspiel-Europameisterschaft) in Essen sein. Allerdings mit stark verändertem Regelwerk. In dieser Version mach Shanghai schon ein wenig mehr Spaß. So wie es dem Endverbraucher aber zur Zeit angeboten wird, kann meine Empfehlung nur lauten: Regelbastler: Ist ganz O.K. ; Alle Otto Normalspieler: Finger weg!
P.S.: Wem es noch nicht aufgefallen ist. Shanghai hat nichts mit dem gleichnamigen Computerspiel zu tun.
P.P.S.: Shanghai ist eine Überarbeitung des Spiels Das Erbe der Maloney erschienen 1988 bei Ravensburger.
DIRK HORSTER