Thrill ist keine Monatspackung Körnernahrung für unseren gefiederten Freund.
Nein!
Thrill ist der Nervenkitzel für die ganze Familie.
Das steht zumindest auf der Schachtel.
Als Vater eines Sohnes, schließe ich messerscharf, bin ich eindeutig Mitglied der Thrill-Zielgruppe.
Doch was ist Thrill eigentlich?
Alle, die schon einmal eine Kirmes besucht haben, kennen bestimmt diese Schiebespielautomaten.
Für teures Geld ersteht man Spielchips, die man durch einen Einwurfschlitz vor einen Schieber rollen läßt.
Dieser Schieber bewegt sich vor und zurück.
Wenn man nun der Geschickten einer ist, dann schiebt der Schieber (was soll er auch sonst machen) eine oder mehrere Chips von der Spielfläche.
Für die gewonnenen Chips erhält man zum Beispiel ein hübsches, buntes Plastikspielzeug (Made in China), das man billiger in jedem Überraschungsei bekommen hätte.
| Thrill | |
|---|---|
| Verlag | F.X.Schmid |
| Spieler | 2 bis 6 |
| Alter | ab 8 Jahren |
| Wertung | |
| Dirk Horster | ![]() |
Im Prinzip ist das Thrill. Nur geht es in Thrill darum, daß möglichst keine Chips von der Spielfläche fallen. Das Schieberecht wird dazu unter den maximal sechs Mitspielern versteigert. Wer das niedrigste Gebot abgegeben hat, muß den Schieber in Gang setzen. Fallen dabei auch noch Scheiben von der Spielfläche, muß dafür Strafe gezahlt werden. Wer nicht mehr bezahlen kann, scheidet aus. Ist nur noch ein Spieler übrig, endet das Spiel.
Um es kurz zu machen: Thrill ist einfach schlecht. In 99,9 % aller Spiele fällt bei den ersten beiden Schiebereien eh keine Scheibe runter, außer man stellt sich wirklich blöde an. Daraus folgt automatisch, daß niemand bei der Versteigerung der Schiebepflicht mitmacht. Das Spiel entscheidet sich dann beim dritten Schieben, da dann mindestens zwei Scheiben runterfallen und derjenige Pechvogel (oder Glückspilz, denn er scheidet ja bald aus und braucht nicht mehr mitzuspielen) so viel Strafe zahlen muß, daß er in der nächsten Versteigerungsrunde keine Chance mehr hat. Das dies von Spielprinzip etwas mager ist, haben auch die Autoren erkannt und präsentieren noch eine Variante. Doch leider zeigte kein Mitspieler Interesse zu einer zweiten Partie, falls das Ende der ersten Partie überhaupt erreicht wurde. Positives gibt es allenfalls über das Spielmaterial zu berichten. Der Schiebemechanismus funktioniert tadellos. Aber das ist auch wirklich alles. Wer also einen gefiederten Freund besitzt, der sollte lieber zur Monatspackung Körnerfutter greifen. Ihr gefiederter Freund und Ihre Mitspieler werden es Ihnen danken.
DIRK HORSTER