Hauen und Stechen der Adligen im Spanien des 15. Jahrhunderts: Unter diesem Motto steht das Spiel des Jahres 1996. El Grande ist ein anspruchsvolles und von der Taktik geprägtes Gesellschaftsspiel für zwei bis fünf Spieler. Jeder Spieler ist ein Grande, der mit Hilfe seiner Gefolgsleute (Caballeros) versucht, in möglichst vielen der neun Regionen im spätmittelalterlichen Spanien die Mehrheit an Spielsteinen zu gewinnen. Zunächst wird eine Regionenkarte gezogen und damit die Region bestimmt, in der zu Beginn des Spiels der König steht. Danach wird jedem Mitspieler eine der acht verbleibenden Regionen zugelost. In diese Region werden dann der Grande und zwei Caballeros hineingestellt. Sieben weitere Caballeros hat der Spieler an seinem Hof als aktive Spielsteine zur Verfügung. Die restlichen 20 Caballeros befinden sich zu Beginn des Spiels am Rande des Spielplans in der Provinz und kommen im Laufe des Spiels zum Einsatz.
| El Grande | |
|---|---|
| Verlag | Hans im Glück |
| Autor | Wolfgang Kramer Richard Ulrich |
| Spieler | 2 bis 5 |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Wertung | |
| Franz-Josef Houben | ![]() |
| Volker Uerlings | ![]() |
Gespielt werden insgesamt neun Runden, wobei nach jeder dritten Runde eine Wertung aller Regionen sowie des Castillos stattfindet. Die Reihenfolge, in der innerhalb einer Runde die Aktionen durchgeführt werden, wird durch das Spielen von Machtkarten bestimmt. Jeder Spieler verfügt über einen Satz Machtkarten in seiner Farbe, die eine Wertigkeit zwischen 1 und 13 besitzen. Wer die höchste Machtkarte ausspielt, erhält das Recht, die Runde zu eröffnen. Die Machtkarte hat jedoch nicht nur diese Funktion, sondern sie legt auch fest, wieviele Caballeros aus der Provinz an den Hof genommen werden und somit aktiv ins Spiel eingreifen können. Dabei ist zu beachten, daß die Anzahl der Caballeros, die aus der Provinz an den Hof genommen werden können, geringer wird, je höher der Wert der Machtkarte ist (Wert der Machtkarte: 13 = 0 Caballeros, Wert 1 = 6 Caballeros). Entsprechend der Wertigkeit der Machtkarten macht jeder Mitspieler seinen Zug. Er wählt zunächst eine Aktionskarte, die zwei Handlungen erlaubt: 1. die auf der Karte angegebene Anzahl Caballeros auf den Plan zu bringen; 2. eine Sonderaktion auszuführen (z. B. eine Wertung einer oder mehrerer Regionen, ein Umsetzen von Caballeros, das Einsetzen oder Verschieben einer Wertungstafel, etc.). Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Königskarte zu, die zum einen mit 5 die höchste Anzahl von Caballeros erlaubt, die auf den Plan gebracht werden kann, zum anderen das Versetzen des Königs ermöglicht. Diese Aktion beeinflußt das Spiel entscheidend, da Caballeros nur in eine unmittelbar an die Königsregion angrenzende Region gestellt werden dürfen. Die Königsregion selbst ist tabu, d.h. es darf dort nichts entnommen werden, aber auch nichts hinzugefügt werden. Eine besondere Region ist das Castillo, in dem man während eines Zuges, egal wo sich der König befindet, Caballeros unterbringen kann. Die Mehrheit dort wird nach jeder 3. Runde wie alle anderen Regionen gewertet oder innerhalb einer Spielrunde, wenn eine entsprechende Aktionskarte gespielt wird. Nach der Wertung entscheidet jeder Spieler geheim, in welche Region sein Anteil am Inhalt des Castillos versetzt wird und damit wieder Einfluß auf andere Regionenwertungen nehmen kann.
Die Wertungen der Regionen werden wie folgt vorgenommen: Der Spieler mit der Mehrheit an Caballeros in einer Region erhält den höchsten Punktwert gemäß der Wertungstafel, die in dieser Region abgebildet ist, der Zweite und Dritte entsprechend weniger (bei nur zwei Spielern wird jeweils nur der 1. Platz in einer Region gewertet). Hat man die Mehrheit in der Königsregion oder seiner Heimatregion, erhält man zusätzlich zwei weitere Punkte. Die gewonnenen Punkte werden auf einem Erfolgspfad am Rande des Spielplans vorgerückt. Wer nach neun Runden auf diesem Pfad vorne liegt, ist der Sieger und darf sich EL GRANDE nennen.
Der Reiz dieses aufregenden Spiels liegt darin, zum richtigen Zeitpunkt, die richtige Machtkarte zu spielen, um in entscheidenden Momenten als Erster einen Spielzug durchzuführen, Aktionen seiner Mitspieler zu verhindern oder als letzter Spieler einer Runde auf Aktionen der anderen zu reagieren. Mit El Grande ist dem Münchener Hans-im-Glück-Verlag ein ähnlich großer Wurf gelungen, wie Teuber im Vorjahr mit seinen Siedlern. Es trägt meiner Meinung nach zurecht den Titel Spiel des Jahres 1996.
FRANZ-JOSEF HOUBEN