Campanile

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Kartenspiele sind groß in Mode gekommen. Dies liegt vor allem an den niedrigen Produktionskosten und dem damit verbundenen geringerem Risiko der Hersteller. Ein Kartenspiel ist schneller einmal nur auf Verdacht gekauft, als so ein dicker Brummer wie etwa El Grande, für das auf der Messe in Essen immerhin 70 Märker auf den Tresen gelegt werden mußten. Stimmt die Qualität dann auch noch, so sind Kartenspiele die Weltmeister im Preis-Leistungsverhältnis. Beispiele der letzten Jahre dafür sind 6 nimmt!, Sticheln (Amigo) oder Was sticht? (Moskito). Dieses Jahr haben sich erstmals drei Kartenspiele für die Auswahlliste zum Spiel des Jahres qualifiziert. Dies sind Reibach & Co (F.X.Schmid) und das hervorragende (Doris & Frank), die beide an anderer Stelle im Heft besprochen werden, und eben Campanile.

Campanile
Verlag Blatz
Autor Hanno & Wilfried Kuhn
Spieler 2 bis 5
Alter ab 10 Jahren
Wertung
Dirk Horster vier.gif 1 KB
Volker Uerlings vier.gif 1 KB

Bei Campanile bauen und wetten 2 bis 5 Mitspieler an bzw. auf 5 Türme. Gewinner ist am Ende derjenige der die höchsten Wetten auf die höchsten Türme plaziert hat. Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler 3 Baukarten und 9 Wettchips in 3 Werten. Von den 5 Türmen stehen bis dahin nur die Fundamente. Die restlichen Baukarten in den 5 Baustilen der Türme werden auf 3 Stapel verteilt, wobei die oberste Karte jeweils offen liegt. Im Spielverlauf muß jeder Spieler einen Turm um 1,2 oder 3 Stockwerke erhöhen. Dazu legt er eine passende Baukarte entsprechend der Stockwerkezahl an einen Turm. Danach kann er eine Wette auf einen Turm abgeben in dem er einen Wettchip unter den entsprechenden Turm legt. Danach muß er noch eine der offenliegenden Baukarten auf die Hand nehmen.

Das wäre ja alles viel zu einfach, denken Sie? Richtig! Wetten darf man nur auf Türme dessen Baukarte auf einem der drei Stapel liegt. Zusätzlich muß der Wert des Wettchips mit der Anzahl der zuvor gelegten Stockwerke übereinstimmen. Aber das ist noch nicht alles. Den Stapel von welchem man die neue Baukarte ziehen muß ist ebenfalls durch die zuvor verbauten Stockwerke vorgeschrieben. Dazu sind die Stapel ebenfalls mit 1,2 und 3 numeriert. Ist ein Stapel aufgebraucht endet das Spiel. Der Spieler, der die meisten Wettpunkte auf den höchsten Turm gesetzt hat, erhält 8 Siegpunkte, der zweite immerhin noch 4. Weitere Punkte gibt es für den 2., 3. und 4. höchsten Turm. Gewinner ist natürlich der Baumeister mit den meisten Siegpunkten.

Die große Stärke dieses Spieles ist auch seine große Schwäche. Man kann sehr viel taktieren, aber gleichzeitig ist man auf Grund von nur jeweils 3 Karten auf der Hand sehr vom Zufall abhängig. Zu dritt hat mir Campanile sehr viel Spaß gemacht, besonders weil man bei jedem Zug dreifach um die Ecke denken muß. Auf welchen Turm kann ich wetten? Wie hoch will ich wetten? Welches Bauteil kann ich dann nachziehen? Mit 4 oder gar 5 Spielern kann sich die Situation so radikal verändern bis man selbst wieder am Zuge ist, daß mir der Glücksanteil eindeutig zu hoch wird. Ohne Zweifel, Campanile ist ein gutes Spiel, aber würde mich jemand nach dem besten Kartenspiel des Jahres fragen, dann fiele meine Wahl bestimmt nicht auf Campanile.

DIRK HORSTER


Ausgepackt!
Mister X e.V.