Raumschiff Enterprise

st1.jpg 8 KB Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr (- tja, welches eigentlich?). Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat...

Ja, von wegen: Die Enterprise ist zur Reparatur an einer Raumstation angedockt, und an Bord ist nur eine kleine Wartungsmannschaft, die das ganze überwachen soll. Wer jetzt sagt, daß damit wohl die Spieler dieses Video-Brettspiels gemeint sind, liegt vollkommen richtig. Aus dieser Ausgangsposition heraus beginnt das Spiel, und es heißt: Film ab! Im Video wird noch einmal mit Commander Rikers Stimme die Situation erklärt, es beginnt eine Kamerafahrt durch die leeren (Orginal-)Räume und Gänge der Enterprise. Bis hin zum Transproterraum, in den gerade eine Person geneamt wurde. Die Kamera auf die Füße gerichtet, verfolgt sie, wie die Person die Kommandobrücke betritt und sich als der Klingone Kavok vorstellt. Er klaut die Enterprise, um eine ruhmreiche Schlacht der Föderation gegen die Klingonen anzuzetteln. Natürlich bemerkt er Euch, die Spieler, und beginnt ein Spiel mit Euch. Ihr müßt 5 Zugangs-Codes und einen Phaser sammeln, um Kavok bei dieser Wahnsinnstat zu stoppen. In der Zwischenzeit zählt auf dem Bildschirm eine Uhr von 60 Minuten ab rückwärts.

Raumschiff Enterprise
Verlag MB
Spieler 3 bis 6
Alter ab 8 Jahren
Wertung
Volker Lingelmann zwei.gif 1 KB
Das Spielbrett stellt die gut bekannte D-Enterprise der Next Generation dar, mit einem Rundgang durch Untertassen- und Rumpfsektion, von dem aus Ihr die unterschiedlichen Räume betreten könnt. Die Codes und den Phaser erhaltet Ihr, indem Ihr würfelt und mit Euren Spielfiguren durch die Gänge streunt. So kommt Ihr an Zugangs-Karten, mit deren Hilfe Ihr im passenden Raum den nächsthöheren Code bekommt. Je mehr Codes Ihr habt, desto mächtiger werdet Ihr und kommt schneller voran. Das heißt aber noch lange nicht, daß Ihr die Codes nicht auch wieder verlieren könnt - entweder durch Kavok oder durch einen gewinnsüchtigen Mitspieler, denn es sollte nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegeneinander gespielt werden. Und immer wieder meldet sich Kavok auf dem Video-Bildschirm, um die Spieler zu schikanieren.

Soviel zur Spielbeschreibung, nun die Kritik: Um ein Starfleet-Feeling aufkommen zu lassen, liegen dem Karton manche StarTrek-Utensilien bei: Kommunikator-Abzeichen, Rang-Abzeichen (die in der Serie am Kragen getragen werden), Phaser, trikorder usw. Die Spiel-Utensilien scheinen zwar gut bedacht worden zu sein, aber bei der Ausführung und dem Material wurde unnötig gespart. So sind z.B. alle Rangstufen der Spielfiguren sowohl als Mann als auch als Frau auf starkem Karton gedruckt, aber es sind nur 6 Plastikständer in verschieden Farben zum WECHSELN dabei. Man kann sich ausmalen, wie oft die Kartonfiguren den Fußwechsel aushalten, bis sie gar nicht mehr halten. Da die AFrbe im gesamten Spielverlauf außer zur Unterscheidung keine rolle spielt, hätte man sie mit dem Rang koppeln (z.B. Kadett = gelb) und je Farbe 2 Ständer (m/w) mitliefern können

st2.jpg 8 KB Was besonder auffiel: Wieso sind auf der Klebefolie 18 Kommunikator-Abzeichen, wenn nur 6 Leute mitspielen können? Lösung: Die Dinger kleben nur einmal, wenn überhaupt. Auf einem Woll-Pulli kann man das vergessen! Und nach 3 bis 4 mal spilen, muß man zusehen, wo man neue herkriegt, scjließlich hat der Kommunikator eine wichtige Rolle in diesem Spiel. Sinnvoller wäre es gewesen, die Abzeichen auf Ansteckbuttons zu kleben und mit Folie zu überziehen. Ich kann nur jedem dazu raten, das selber noch zu machen. Auf jedem größeren Flohmarkt und in einigen Kopierläden wird so ein Service angeboten. Als richtiger Trekki (StarTrek-Fan) kann man sich ja auch eine Kommunikator-Anstecknadel aus Metall kaufen (erhältlich in Fan-Shops und Versand für ca. 35 DM). Apropos Fan: Ein richtiger Trekki wird immer den amerikanischen Orginal-Titel StarTrek - The Next Generation bevorzugen, statt die Deutsche falsche Übersetzung, die auch hier Titel des Spiels ist. Der Untertitel interaktives Video-Brettspiel ist dabei genauso falsch. Von Interaktivität kann nicht die Rede sein, da die Handlungen der Spieler niemals Auswirkungen auf ein laufendes Videoband haben können.

Zum Spielverlauf ist zu sagen, daß er mit ablaufender Zeit immer hektischer wird, zumal auch der Video-Kavok sich gegen Ende immer öfter meldet. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muß sich das MB-Spiel einen Vergleich zu Atmosfear von Schmidt-Spiele gefallen lassen, das schon seit einem Jahr auf dem Markt ist und auch schon zwei Erweiterungen in Form neuer Video-Kassetten erfahren hat. Das einzige, was gegenüber Atmosfear besser gemacht wurde, ist die unterschiedliche Gestaltung der verschiedenen Kartensorten. So haben bIj-Karten ihre eigene Form, Holodeckkarten sind quadratisch und die Computer-Zugangs-Karten rechteckig, auch die Rückseiten sind markant bedruckt. Leider hat man hier wieder am Material gespart. So sind bIj- und Holodeckkarten sowie Phaser aus etwas besserem Papier gefertigt - anders kann man diese dünne Pappe nicht bezeichnen.

st3.jpg 10 KB Spielspaß und Stimmung waren subjektiv gesehen bei Atmosfear besser, auch wenn dort mehr Verwirrung und Chaos herrschte als bei Raumschiff Enterprise. Gab es in Atmosfear einige unklare Präzedenzfälle in Spielsituationen, so läßt die klare und verstä,ndliche Spielregel des MB-Spiels so etwas gar nicht erst aufkommen - ein Pluspunkt. Wenn MB jedoch hoffte, die Stimmung der enterprise TV-serie in diesem Spiel einfangen zu können, so ist das nicht gelungen. Was den Charme der der Serie ausmacht, sind die Charaktere. Sie spielen hier keine Rolle, sondern sind allenfalls auf den Holodeck-Karten zu sehen. Beim ersten Mal wird erfahrungsgemäszlig; zusammen gegen die zeit gespielt. Spannender wird es wohl erst, wenn man mit dem Brett und den Karten richtig vertraut ist und diese auch gegeneinander ausspielt - ein Gedanke, der dem Grundsatz der Föderation nach Kooperation und gegenseitiger Hilfe entgegensteht

Fazit: Das Potential dieses spiels ist nicht beim ersten Mal erschöpft, aber wohl doch eher für Fans, als für jedermanngeeignet. Nett gemacht, aber an falscher Stelle gespart. Wenn man von den kleinen Ärgernissen absieht, die durch das Spielmaterial entstehen, ist das Spiel durchaus gut spielbar, aber Kultstatus wird es wohl nie erlangen.

VOLKER LINGELMANN


Ausgepackt!
Mister X e.V.